Der Financial Controller – Aufgaben, Gehalt und wichtige Fähigkeiten

Der Financial Controller – Aufgaben, Gehalt und wichtige Fähigkeiten

Helena Kleine

Ein Jahresgehalt von 70.000 € aufwärts, Mitspracherecht bei unternehmerischen Entscheidungen und Zusammenarbeit mit fast allen Abteilungen im Unternehmen … Das klingt doch schwer nach Traumjob! Der Beruf des Financial Controller bietet Abwechslung und Verantwortung, erfordert aber im Gegenzug ein hohes Maß an Eigenorganisation und ein tiefes mathematisches Verständnis sowie umfassende Berufserfahrung in der Buchhaltung und dem Controlling. 

Wir werfen einen Blick auf die Aufgaben, das Gehalt und die Karrierechancen des Financial Controller. Und wir verraten, wie der Weg dahin gelingt! 

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Definition Financial Controller – daher kommt die Berufsbezeichnung

Der Name „Financial Controller” setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: Finance (Buchhaltung) und Controlling. Bei dem Job handelt es sich also um eine hybride Rolle, die Kenntnisse und Berufserfahrung in der Buchhaltung und dem Controlling voraussetzt. 

Die Buchhaltung beinhaltet die Aufzeichnung der Transaktionsdaten eines Unternehmens. Buchhalter sind also in erster Linie damit beschäftigt, Zahlen genau und möglichst reibungslos zu erfassen und nachzuvollziehen.

Das Controlling hingegen stellt sicher, dass die aufgezeichneten Daten korrekt und pünktlich erfasst werden und sich innerhalb des vom Unternehmen festgelegten Rahmens befinden. Tauchen Diskrepanzen auf, sollte der Controller sie erkennen und und mit den beteiligten Parteien gemeinsam nachfassen. Zudem erstellen Controller Prognosen und analysieren Investitionsentscheidungen des Unternehmens, decken Ineffizienzen auf und beraten u. U. sogar bei der Preispolitik. 

Ein Financial Controller ist ein Controller, der sich besonders gut mit buchhalterischen Prozessen auskennt. Je nach Arbeitgeber kann der eine oder andere Tätigkeitsbereich überwiegen. Was genau unter die Aufgaben eines Financial Controllers fällt, sehen wir uns im nächsten Abschnitt an.

Wie heißt der Financial Controller eigentlich auf Deutsch? 

Ähnlich wie der CFO, der Copywriter und der Customer Success Manager ist auch der Financial Controller meist unter der englischen Berufsbezeichnung bekannt. Teilweise wird der Beruf auch mit „Finanzprüfer” oder „Finanzcontroller” beschrieben. Für diesen Beitrag bleiben wir bei dem weiter verbreiteten englischen Namen. 

Die Aufgaben eines Financial Controllers im Unternehmen

Je nach Größe und Branche übernimmt der Financial Controller eine Teamleiter-Rolle im Finanzteam, arbeitet eng mit dem CFO zusammen und nimmt eine Vermittlerrolle zwischen Buchhaltung und Geschäftsführung ein. In großen Unternehmen sind oft mehrere Financial Controller auf unterschiedlichen Karrierestufen beschäftigt – also Junior FCs, die etwas weniger Verantwortung tragen und Senior FCs, die enger mit den Entscheidungsträgern des Unternehmens zusammenarbeiten. 

Ein spannender Bericht von IMA und Deloitte beleuchtet die Rolle des Controllers im Detail. Die Autoren unterteilen den typische Controller-Alltag in vier Hauptkategorien:

  • Steward: Risikomanagement und Erhaltung der Vermögenswerte
  • Operator: Aufrechterhaltung effizienter und effektiver Finanzoperationen
  • Stratege: Gestalten der Zukunft des Unternehmens
  • Katalysator: Unterstützung bei der Umsetzung

Die meisten Controller erfüllen alle vier dieser Aufgaben. Aber laut des Berichts haben die meisten das Gefühl, dass sie zu viel Zeit mit den ersten beiden verbringen – den eher traditionellen, funktionalen Rollen. Die eigentlichen Karriere- und Entwicklungschancen liegen natürlich in der strategischen Beratung. Nicht selten werden Financial Controller später selbst CFOs.

Bildquelle: Stepping Outside the Box: Elevating the Role of the Controller (IMA / Deloitte)

Die Karrierechancen und das Gehalt des Financial Controller

Verschiedene Personalvermittlungen und Karriereseiten schätzen das Einstiegsgehalt des Financial Controllers auf rund 65.000 €. Der Begriff „Einstiegsgehalt” ist hier aber ein wenig irreführend. Ein Financial Controller wird kaum Berufsanfänger sein, da die Tätigkeit in aller Regel mehrjährige Erfahrung in der Buchhaltung und ein Studium der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Finanzen und Controlling voraussetzt. 

Ein sinnvolles Anschlussstudium nach einem Bachelor in BWL (möglicherweise schon mit Controlling-Schwerpunkt) wäre entweder ein Master of Finance oder Master of Finance Management oder einer der folgenden Lehrgänge: 

  • Chartered Financial Analyst (kurz CFA)
  • Certified European Financial Analyst (kurz CEFA)
  • Certified International Investment Analyst (kurz CIIA)

Letztendlich zählt – wie bei so vielen Berufen – die praktische Erfahrung. Manche Unternehmen bieten Management-Trainee-Programme für Buchhalter an, die in eine Führungsposition wie die des Financial Controllers aufsteigen können. 

Die obere Gehaltsgrenze liegt bei rund 120.000 €, obwohl individuelle Abweichungen natürlich möglich sind. Das liegt unter anderem daran, dass Financial Controller durch ihre strategische Beratung einen großen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens nehmen können. Dem Financial Controller stehen Wege ins Management offen, zum Beispiel als CFO. Ein Wechsel in die Wirtschaftsprüfung als Financial Analyst wäre ebenfalls denkbar. 

Diese Fähigkeiten sollte ein Financial Controller mitbringen

Nicht jeder Mitarbeiter der Buchhaltung ist für die Rolle des Financial Controllers geeignet. Zwar wird es ohne sehr fundiertes buchhalterisches Wissen schwierig, doch je strategischer die Aufgaben werden, desto mehr muss dieses sich mit Softskills wie Kommunikation und Verhandlungsgeschick mischen. 

Soft-Skill #1: Klare Kommunikation mit verschiedenen Abteilungen

Laut eines Berichts der Unternehmensberatung Ernst and Young (EY) sehen Financial Controller ihr größtes Wachstumspotenzial bei der Kommunikations. Die befragten FCs hielten die Kommunikationsfähigkeiten für unglaublich wichtig, glaubten aber, dass ihre kommunikativen Fähigkeiten zu wünschen übrig ließen. Es folgten Führungsqualitäten und praktisches Buchhaltungswissen.

Als erstes denken die meisten bei der Kommunikation an ihr eigenes Team und ihre direkten Vorgesetzten. Vielleicht noch wichtiger ist aber der Draht zu den Leitern anderer Abteilungen, wie dem Marketing oder Vertrieb. Gerade für die Einschätzung der Kosteneffizient unterschiedlicher Betriebsbereiche sind enge Abstimmungen sowie Basiswissen in diesen Bereichen enorm hilfreich. 

Außerdem ist das Finanzteam darauf angewiesen, das die Prozesse der Buchhaltung von allen Teams eingehalten werden, z. B. bei Spesenabrechnungen und dem Ausgabenmanagement. Wenn ein Financial Controller anderen Teams vermitteln kann, warum gute Daten so wertvoll sind und welche Kommunikationskanäle genutzt werden sollten, erleichtert das den Alltag der Buchhaltung.

Soft-Skill #2: Verantwortung abgeben

In vielen Unternehmen muss das Finanzteam sich um jeden einzelnen Prozess mit kümmern, bei dem Geld das Unternehmen verlässt. Das kostet viel Zeit. Als Beispiel werfen wir einen Blick auf die Rechnungsbearbeitung. In einem typischen Unternehmen gestaltet sich der Prozess in etwa so:

  • Eine Mitarbeiterin nutzt eine Dienstleistung (z. B. eine Marketing-Beratung durch einen Freiberufler).
  • Der Dienstleister stellt eine Rechnung und schickt diese an die Mitarbeiterin.
  • Diese schickt die Rechnung zur Genehmigung an ihre Vorgesetzte.
  • Die Vorgesetzte genehmigt die Rechnung.
  • Die Mitarbeiterin schickt die Rechnung an das Finanzteam weiter.
  • Ein Mitglied des Finanzteams muss die wichtigsten Informationen aus der Rechnung extrahieren, sie in ein Tool (oder eine einfache Tabellenkalkulation) eingeben und am entsprechenden Speicherort ablegen.
  • Die Rechnung wird später im Rahmen des normalen Zyklus bezahlt.
  • Die Buchhalter müssen dann die Rechnung mit den vom Unternehmen geleisteten Zahlungen abgleichen.

Nehmen wir stattdessen einmal an, die Mitarbeiterin gebe die Rechnung direkt selbst in ein Ausgabenmanagement-Tool ein. Es müssten dann keine E-Mails verschickt werden, die Vorgesetzte könnte die Rechnung über das Tool genehmigen und es entstünden keine Medienbrüche – und keine manuelle Datenübertragung.

Und noch besser: Die Mitarbeiter lernen, wie eine gültige Rechnung aussehen sollte. So wird verhindert, dass immer wieder die gleichen Fehler passieren. Das verschafft der Buchhaltung wertvolle Zeit für die eigentlich wichtigen Aufgaben.

Mehr Informationen zur automatischen Rechnungsverarbeitung finden Sie in diesem Artikel.

Soft-Skill #3: Das Potential von Automatisierung erkennen und nutzen 

Finanztransaktionen laufen – wie im Beispiel der Rechnungsbearbeitung oben – selten ohne manuelle Dateneingabe ab. Kommt es zu Fehlern, muss händisch nach der Ursache gesucht werden. Meist ist dies jedoch völlig unnötig. Der Großteil an Transaktionsdaten kann ohne menschliches Zutun erfasst und zwischen Systemen übergeben werden.

Um Systeme (wie die Rechnungsverarbeitung, das Spesenmanagement, das Beschaffungsmanagement und ein REP-System) miteinander zu vernetzen, müssen zwei Dinge gegeben sein: 

  1. Die ausgewählten Systeme verfügen über entsprechende Schnittstellen, sind also technisch nicht veraltet.
  2. Die Leitung des Finanzteams bringt eine gewisse IT-Affinität mit, sieht das Potential integrierter Systeme und arbeitet mit der IT zusammen.

Für den Einstieg lernen Sie in diesem Beitrag, wie Sie Ihre Spesenabrechnung automatisieren können. 

Einen Überblick über die besten Tools für moderne Finanzteams finden Sie außerdem hier: 

30 Tools für Finanzteams

Zusammenfassung: Der Job des Financial Controller hat Zukunft

Interdisziplinäre Rollen wir des Financial Controller gewinnen in der Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung. Vielleicht haben Sie schon vom „T-shaped Professional” gehört – ein Modell, das in den 80ern von McKinsey zur Auswahl von Bewerbern verwendet wurde und seitdem an Popularität gewann. 

Der senkrechte Strich des T steht im Modell für tiefes Fachwissen – beim Financial Controller also für tiefes mathematisches und buchhalterisches Verständnis. Der horizontale Strich repräsentiert breites Wissen – bei Financial Controller also die Kenntnisse in Management und Kommunikation und Basiswissen in Marketing, Vertrieb und Einkauf, zum Beispiel. 

„T-shaped”-Mitarbeiter können flexibel im Unternehmen eingesetzt werden, da sie gleichzeitig Spezialisten und Generalisten sind. Sie eignen sich ideal für Führungspositionen wie Team- und Abteilungsleitung. Rollen wie die des Financial Controller liegen also absolut im Trend. Für diejenigen, die sich in Finanzthemen vertiefen können und gleichzeitig den Wunsch nach mehr Verantwortung und Abwechslung haben, kann der Job des Financial Controllers eine super Option sein. Auch an Aufstiegschancen mangelt es nicht. 

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Helena Kleine

Helena Kleine sammelte reichlich Erfahrung im SaaS-Vertrieb und lernte so, wie wichtig informative Inhalte und Ressourcen für Kunden sind. Aktuelle unterstützt sie Spendesk als Expertin für Themen rund um Finanzen und Buchhaltung.