Tipps zur richtigen Audit-Vorbereitung
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Tipps zur richtigen Audit-Vorbereitung

Nina Meyer

Was ist ein Audit?

Allgemein gesagt wird im Rahmen eines Audits (aus dem Englischen “to audit”= prüfen) untersucht, ob Informationen, Prozesse und Richtlinien die geforderten Standards erfüllen. Eine solche Prüfung wird in der Regel von Personen durchgeführt, die unabhängig vom zu prüfenden Verantwortungsbereich sind. Dabei handelt es sich meist um speziell dafür ausgebildete bzw. geschulte, externe Auditoren. Bei einem Financial Audit geht es darum, Finanzinformationen, wie z.B. den Jahresabschluss,  nach einschlägigen Rechnungslegungs- und Prüfungsvroschriften auf Richtigkeit, Genauigkeit und Ordnungsmäßigkeit zu prüfen.

In diesem Artikel finden Sie nützliche Informationen zur Audit-Vorbereitung und erfahren am Beispiel der Jahresabschlussprüfung (Audit of Financial Statements) u.a., warum es sich lohnt, einen Audit-Workshop zu besuchen, auch wenn Ihr Unternehmen (noch) gar nicht prüfungspflichtig ist. Die Tipps und Best Practices basieren auf einem Webinar, das Spendesk zusammen mit zwei Experten von PricewaterhouseCoopers (PwC) organisiert hat. Sie können sich dieses Webinar rund um das Thema Audit hier kostenlos als Aufzeichnung ansehen.

Und nun zur Frage: Wann wird Ihr Unternehmen überhaupt geprüft?

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Warum Audit? Welche Ziele hat eine Prüfung?

Die Verpflichtungen für ein Audit können sich aus den Anforderungen von Investoren und/oder Banken, vertraglichen Verpflichtungen, steuerlichen Aspekten oder Gesetzen, wie z.B. dem HGB oder KWG ergeben. Hintergrund für eine gesetzliche Regelung derPrüfung ist u.a., Vertrauen in den Kapitalmarkt zu schaffen und die Stakeholder zu informieren.

Wer ist prüfungspflichtig?

In der Regel sind mittlere und größere Unternehmen (6 Mio. € Bilanzsumme | 12 Mio. € Umsatz | 50 Mitarbeiter) prüfungspflichtig. Für die Firmengröße werden festangestellte Mitarbeiter gezählt; Teilzeitkräfte, Praktikanten oder Freelancer zählen nicht dazu.

Was wird bei einem Audit geprüft?

Bei einem Finanzaudit werden folgende Dokumente geprüft:

▪ Bilanz

▪ Gewinn- und Verlustrechnung

▪ Anhang zum Jahresabschluss

▪ Lagebericht

Welche Vorteile hat ein Audit für das Unternehmen?

Diese Verpflichtungen mögen für ein Unternehmen zunächst nach viel Vorbereitungsstress und wenig Spaß klingen, doch eine Prüfung bringt auch viele Vorteile mit sich.

So ist ein Audit die perfekte Gelegenheit für Prozessoptimierung: Durch die Analyse der internen Prozesse während des Audits können die Abläufe nachhaltig verbessert werden, Risikofaktoren werden identifiziert und können beseitigt werden.

Die Prüfung fördert außerdem den Wissensaustausch zwischen Prüfern und Mitarbeitern der Finanzabteilung und kann so zur Entwicklung von eigenen Best Practices im Unternehmen beitragen.

Außerdem schafft ein Audit Vertrauen, denn eine Jahresabschlussprüfung gibt Banken und Investoren eine zusätzliche Gewissheit über die Finanzen des Unternehmens. Das kann für Start-Ups zum Beispiel für die nächste Finanzierungsrunde hilfreich sein. Zudem gibt die Prüfung durch genauere Finanzdaten mehr Sicherheit in der eigenen Unternehmensplanung.

Ein Audit vor dem Audit

Aus den oben genannten Gründen kann es auch für junge Unternehmen wie Start-ups und Scale-Ups sinnvoll sein, sich in einem freiwilligen Audit-Workshop mit einem externen Prüfer auf den „Ernstfall” vorzubereiten („Audit Readiness“). In diesen Gesprächen mit einem externen Experten erfahren Sie und Ihr Team u.a., worauf die Prüfer bei einem Audit achten und Sie können ohne Druck überprüfen, ob z.B. Ihre Buchhaltung den Anforderungen entspricht. Sie erfahren außerdem,  welche Prozesse weiter optimiert werden sollten, bevor Ihr Jahresabschluss offiziell geprüft werden muss.

Step-by-Step Audit Vorbereitung

Kommen wir jetzt zur eigentlichen Audit-Vorbereitung. Diese kann grob in vier bzw. fünf Schritte aufgeteilt werden: die Erstellung des Audit-Plans, das Pre-Audit, die Vorbereitung, das eigentliche Audit sowie das Reporting am Ende. Im nächsten Abschnitt finden Sie die verschiedenen Bestandteile dieser Etappen.

1. Audit-Plan erstellen

✓ Meilensteine besprechen

✓ Prozessprüfung

✓ Self-Sampling

✓ GoBD-Check

✓ Vorbereiten einer Unternehmenspräsentation

2. Pre-Audit

✓ Prozessmatrizen erstellen

✓ Datenraum öffnen

✓ Eigenes Personal planen

✓ Audit-Anforderungen für andere Abteilungen überwachen

3. Tipps zur Vorbereitung

✓ Sortieren Sie die Belege direkt unter den einzelnen FSLI (Bilanz- und GuV-Posten).

✓ Besprechen Sie Buchhaltungs- und Bilanzierungsfragen vor der Buchung mit dem Prüfer.

✓ Nutzen Sie den Datenraum, um die Belege vor Beginn der Hauptprüfung einzureichen.

4. Main Audit & Reporting

✓ Reservieren Sie Pufferzeiten während des Prüfungszeitraums

✓ Jour Fixes mit dem Auditor vereinbaren

✓ Ansprechpartner für Audit-Anfragen festlegen

Welche Herausforderungen gibt es?

Im nächsten Absatz sollen mögliche Fragen und Herausforderungen näher beleuchtet werden. Dabei werden wir jeder Herausforderung ein Best Practice gegenüberstellen.

1. Das ist unser erstes Audit

  • Was muss ich beachten?
  • Wie bereite ich mich vor?

Tipp: Versuchen Sie, alle Anfragen zum Vorjahr bereits in der Vorprüfung abzuschließen. Machen Sie einen Selbstcheck: Wie schnell können Sie relevante Dokumente zur Verfügung stellen?

2. Stichwort immaterielle Vermögenswerte

  • Liegt tatsächlich ein Vermögenswert vor?
  • Sind die Kosten richtig zugeordnet worden?
  • Wie sollte ich den erstmaligen Ansatz und die spätere Werthaltigkeit dokumentieren?

Tipp: Dokumentieren Sie Ihren Prozess und stellen Sie Regeln dafür auf, welche Kosten aktiviert werden können. Nutzen Sie zur übersichtlichen Verfolgung der internen und externen Kosten Software-Tools.

3. Going-Concern / Fortführungsprognose

  • Wie weise ich die positive Unternehmensfortführung nach?
  • Welches sind die zentralen Planungsannahmen und welche Beurteilungen werden erforderlich sein?

Tipp: Erstellen Sie eine nachvollziehbare Unternehmensplanung für die nächsten zwei bis drei Geschäftsjahre. Sofern die Planung keinen positiven Cash-Flow oder Gewinn ausweist, diskutieren Sie frühzeitig im Gesellschafterkreis etwaige Kapitalmaßnahmen und den richtigen Zeitpunkt für die nächste Finanzierungsrunde.

4. Interne Kontrollen

  • Ist mein internes Kontrollsystem zuverlässig?
  • Werden die Funktionstrennungen und Kontrollen eingehalten?

Tipp: Überprüfen Sie die Prozesse in den einzelnen Abteilungen. Machen Sie selbst eine Stichprobe. Prüfen Sie, ob Mitarbeiter die alleinige Entscheidungsbefugnis haben oder Kontrollen umgangen werden können.

5. Management Report / Lagebericht

  • Welche Inhalte müssen im Lagebericht enthalten sein und auf welche kann verzichtet werden?
  • Wie formuliere ich den Lagebericht richtig und stelle die Unternehmenssituation zutreffend dar?

Tipp: Vergleichen Sie die Lageberichte der Wettbewerber (Bundesanzeiger) und diskutieren Sie mit den Wirtschaftsprüfern deren Anforderungen.

Wir hoffen, diese Tipps helfen Ihnen bei der Vorbereitung Ihrer nächsten Prüfung. Weitere Details und Best Practices zur Audit-Vorbereitung finden Sie auch in der Aufzeichnung des Webinars, das Spendesk und PwC zu diesem Thema organisiert haben. Mit dabei: die Experten Theresa König, ehemalige CFO, heute Manager & Prokuristin, und Axel Steffen, Partner, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bei PwC.

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Nina Meyer

Nina Meyer hat an der Sorbonne deutsch-französisches Marketing studiert und lebt seit 8 Jahren in Paris. Bei Spendesk kümmert sie sich um das Content Marketing und die redaktionellen Inhalte des deutschen Blogs.